Die Protagonistin Julia und ihr Partner Max befinden sich in Kanada, als die Geschichte von “Der Krieger und der Mönch” ihren Lauf nimmt. Auch mich verbindet viel mit diesem Land. Gerne möchte ich dir davon erzählen, warum ich Kanada als (Herzens-)Ort des Geschehens gewählt habe.
Kanada steht für große Träume.
Meine Oma sprach ihr ganzes Leben davon, dass sie mal “über den großen Teich” reisen wollte. Leider erlaubte ihre gesundheitliche Verfassung dies nicht.
Meine Mutter reiste nach Ontario, als ich fünfzehn war. Diese Reise prägte mich stark, denn sie war bis dato die erste Fernreise, die ich aus nächster Nähe miterlebte.
Während meiner Schulzeit packte mich immer wieder das Fernweh, doch erst nach meinem Studium brach ich zum Working Holiday nach Kanada auf – zusammen mit meinem Mann, der damals noch mein Freund war. Wir hatten endlich genug Geld und Zeit zusammengespart, um uns unseren Traum vom Auslandsaufenthalt zu erfüllen.
Kanada ist weit weg von Deutschland.
Das ist aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen geht es im Roman um Ahnenheilung. Julia braucht den räumlichen Abstand, um die Geschichte ihrer Vorfahren auf allen Ebenen aufzuarbeiten. Zum anderen hatte ich in Nordamerika ein interessantes Gespräch zum Thema deutsche Psyche: “Wieso geht ihr Deutschen euch eigentlich aus dem Weg?”, sprach uns jemand an, als wir gerade in einer Warteschlange standen. “Alle anderen freuen sich immer, wenn sie ihre Landsleute treffen. Nur euch ist es unangenehm.” Das war natürlich eine gute Frage. Wieso freuten wir uns am anderen Ende der Welt nicht darüber, andere Deutsche zu treffen?
Da war sie plötzlich: Scham. Irgendwie taten wir lieber so, als wären wir nationslos. Als würden wir einander nicht erkennen. Als wären wir in einer Bubble, weit entfernt von allem, was wir insgeheim in uns ablehnten. In Kanada waren wir frei von unserer Geschichte, zumindest für einen Augenblick.
Kanada bedeutet Naturverbundenheit und Weiblichkeit.
Wer schon mal dort war, kann es bestätigen: Kanadas Natur ist atemberaubend schön. Es ist ein Paradies für Sportlerinnen und Wanderer. Zu jeder Jahreszeit gibt es viel zu entdecken, aber im Herbst toppt das rote Ahornblatt einfach alles. So habe ich dieses Land gewählt, um die Weite und Schönheit der Natur, aber auch ihre Unberechenbarkeit, im Hintergrund der Geschichte zum Leben zu erwecken.
Die männlichen Archetypen im Buch sind mit Krieger und Mönch klar menschlich und in ihrem Wirken deutlich umrissen. Die weibliche Kraft hingegen wird von Gaia verkörpert – einer Figur, die gleichzeitig mehr und weniger als ein Archetyp ist. Sie taucht erstmals im Traum auf und bleibt bis zum Ende des Romans jenseits dieser Welt, in der Sphäre der Intuition, unabhängig von Zeit und Raum.
So nähern wir uns in “Der Krieger und der Mönch: Das kleinste Epos der Welt” dem Thema Fehlgeburt auf mehreren Ebenen und erstmal ganz sanft.
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