Sicher kennst du den Begriff „Co-Abhängigkeit“ aus Beziehungen: Wenn es schwer fällt, Grenzen zu setzen und zuerst für sich selbst zu sorgen. Doch was ist mit Arbeitsverhältnissen? Ich habe es am eigenen Leib erfahren und erst viel zu spät realisiert, was ich mir selbst und anderen angetan habe.

Bist du ein „Workaholic“ oder arbeitest du für einen?

In kleineren Unternehmen fällt es besonders schwer, die eigenen Bedürfnisse zu spüren. Am Anfang ist alles noch ganz klar. Du kommst in eine neue Umgebung, bringst Ideen und Wünsche mit, du und die Firma vereinbaren ein Arbeitsverhältnis. Meist wird eine kleine Firma von einem Menschen geleitet. Der vertraut dir nun. Du hast eine Aufgabe. Das fühlt sich gut an. Du wirst gebraucht. Du bekommst Anerkennung.

Darüber hinaus bist du vielleicht besonders schnell, durchschaust die Zusammenhänge und leistest besonders gute Arbeit. Sie macht dir Spaß und erscheint dir sinnvoll, also erledigst du alle Dinge, die eben anfallen. Gerade in kleinen Firmen verschwimmen die Grenzen schnell, dann wirst du zum Experten für alles. Das ist in doppelter Hinsicht ein gutes Gefühl, denn die Firma spart so auch noch Geld, das sie sonst an teure externe Dienstleister zahlen müsste. Du bist eindeutig der Held.

So kannst du prüfen, ob du dich in einer Co-Abhängigkeit befindest:

  • Hast du das Gefühl, deine Grenzen werden respektiert?
  • Weißt du, welche Rechte dir als Arbeitnehmer*in zustehen?
  • Findest du klare Vereinbarungen, Freizeit und Urlaub förderlich oder hinderlich für deine Arbeit?

Die Grenzen werden getestet

Wie viele „Extrameilen“ können von dir verlangt werden? Natürlich bist du nicht kleinlich und bietest großzügig an, im Zweifel zu Gunsten der Firma zu entscheiden.

Du bekommst außerdem eine Menge Macht. Viele Aufgaben können von deinem Vorgesetzten nun endlich delegiert werden. Das verschafft ihm Erleichterung – und dir ein gutes Gefühl.

Doch dann: Leere. Vielleicht ist es nur ein kurzer Moment, in dem du spürst: So richtig erfüllt dich das alles nicht. Doch alles läuft seinen Gang. Und Arbeit ist schließlich kein Ponyhof.

Irgendwann gibt es beim Vorgesetzten wieder diesen Moment der Überforderung. Vielleicht, weil es auch ihm schwer fällt, nein zu sagen, vielleicht zu Kunden oder zu seiner Arbeitssucht. Dann delegiert er wieder und fühlt sich kurzfristig erleichtert.

Eventuell übernimmst du sogar die Rolle, ihm all dies zu spiegeln. Dir ist voll bewusst, was du da tust. Du versuchst, dich, ihn und die Firma zu „retten“. Vielleicht als Mediatorin oder als Coach?

In jedem Fall – und das ist vielleicht am schwersten zu hören – verhinderst du sogar das gesunde Wachstum der Firma, wenn du deine Überforderung nicht kommunizierst, sondern kompensierst. Denn dies ist keine Phase, die von selbst vorübergeht. Wirst du gehört? Oder wird dir suggeriert, jemand anders könne es “besser” machen? Dann ist es ganz klar Zeit, zu gehen.

Das Klima vergiftet sich langsam

Oft wird uns ein Gefühl vermittelt: Das ist hier halt so. Wenn ich nicht mitspiele, erwarten mich problematische Konsequenzen. Im schlimmsten Fall verliere ich meinen Job. Und vielleicht weint dein inneres Kind, weil es Angst hat, nicht liebenswert zu sein. Ich selbst habe lange meinen Wert über meine Leistungsfähigkeit definiert.

Doch auch, wenn du es gerne vor der Welt und dir selbst verbirgst: Bei jeder noch so kleinen, eventuell sogar lächerlichen, Grenzüberschreitung stirbt etwas in dir.

Ich spreche hier aus eigener Erfahrung.

Ich bin erst aufgewacht, als ich schwanger war und in der zehnten Woche mein Baby verloren habe.

Es ist tatsächlich etwas, nein jemand, in mir gestorben, weil ich meine Grenzen nicht gewahrt habe. Ich habe nicht gut für mich – und meine Familie – gesorgt.

Einer meiner zentralen Glaubenssätze war: „Die Firma kann es sich nicht leisten“. Meine Kollegin, mit der ich mir die Büroarbeit teilte, war ebenfalls gerade schwanger geworden.

Ich bin überzeugt davon, dass es viele weitere Gründe für die Fehlgeburt gab. Doch das war definitiv einer dafür.

Die Selbstständigkeit als Ausweg – nun wird alles anders

Nach einem weiteren Jahr in diesem kleinen Unternehmen habe ich mich selbstständig gemacht. Endlich war ich mein eigener Boss! 😊

Ich sage dir ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in einer kleinen Firma für jemand anders arbeiten würde.

Doch es ist genauso herausfordernd, in meiner Selbstständigkeit gut für mich selbst zu sorgen.

Ich mache mir keine Illusionen über meine Schwächen. Ich weiß, wie zentral meine Rolle in diesem Spiel war. Was mein Anteil war.

Doch ich kann nun selbst und bewusst entscheiden, wie ich damit umgehe.

Ich arbeite mit und für Menschen, denen ich wirklich und auf Augenhöhe helfe, ihren Weg zu gehen. Und ich sorge zunächst einmal für mich selbst, bevor ich mich um andere kümmere.

Künstlerseelen in Co-Abhängigkeit

Unsere Kreativität können wir auf viele Weisen unterdrücken. Eine davon ist Arbeit. Julia Cameron beschreibt dies sehr anschaulich und motivierend in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“.

Das Problem ist: Wir brauchen Arbeit. Wir brauchen Geld. Wir wollen uns sinnvoll beschäftigen. Eventuell arbeiten wir sogar in der kleinen Firma als Kreative. Wann ist Arbeit also zu viel Arbeit?

Wie können wir der Kreativität einen sicheren Raum zur Verfügung stellen?

Ich helfe dir dabei.

Mit Hilfe deines inneren Teams findest du schnell Klarheit. Du lernst, Grenzen zu setzen und gut für dich selbst zu sorgen. Vereinbare jetzt ein kostenloses Telefonat, um mehr zu erfahren. Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen! 😊

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