Vor einigen Wochen habe ich mich zum zweiten Mal in einem Jahr selbstständig gemacht. In Ljubljana nahm die spannende Reise ihren Anfang, inzwischen lebe ich in Holland. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit Beratung, Texten, Übersetzungen, Coaching – und ganz nebenbei: meinem kleinen Unternehmen, dem sogenannten eenmanszaak. Dabei stehen immer meine Kunden und die eigentliche Arbeit im Vordergrund, aber mit großer Freiheit geht auch eine entsprechende Verantwortung einher.

Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich Social Distancing für so wichtig und die derzeitigen Rufe nach „mehr Freiheit“ für kurzsichtig halte. Wir leben erst wirklich in Freiheit, wenn wir auch bewusst in der Lage sind, sie zu regulieren.

Bei meiner letzten Wanderung ist mir aufgefallen, wie viele Parallelen es zur Selbstständigkeit gibt: Unbekanntes Gelände, steigende Fitness und Erfahrung, die Bewältigung von Hindernissen und neben einer wunderbaren Aussicht auch immer das phantastische Gefühl von Erfolg. Im Folgenden verrate ich also, was ich vom Wandern und von der Selbstständigkeit bisher gelernt habe.

Losgehen: Der erste Schritt.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Vorbereitung ist alles. Trotzdem bin ich persönlich eher der spontane Typ. Ich gehe lieber los, wenn ich Lust darauf habe, anstatt mich erst stundenlang damit zu beschäftigen, was ich einpacken und woran ich noch so denken muss. Und auch wenn ich genau weiß, wie wichtig (und durchaus lebensnotwendig) eine gute Planung sein kann, ist es für mich genauso lebensnotwendig, einfach los zu gehen, wenn mir danach ist.

Meist hole ich die Planung dann auf dem Weg nach. Nach zwei Gründungen überblicke ich inzwischen die Lage schon ganz gut und mache das dann sehr bewusst (zum Beispiel mit externer Hilfe). So finde ich einen guten Ausgleich zwischen Spontanität und Selbstfürsorge.

Außerdem lerne ich natürlich massiv – je öfter ich spontan losgehe, desto eher kenne ich fürs nächste Mal die richtigen Schuhe, habe die ideale Trinkflasche dabei und vorab den besten Weg ausgekundschaftet.

Weggefährten

Alleine geht es natürlich immer, und wenn wir ehrlich sind, müssen wir auch in Gesellschaft die eigene Kraft aufbringen, die Wanderung zu bewältigen. Dennoch – es hat Vorteile, in Gesellschaft zu gehen. Ich nehme zum Beispiel gern meinen Hund Badi (slowenisch für Buddy) mit. Er ist schnell, intelligent, neugierig und sensibel. Mein Freund auf vier Pfoten erkundet vor und hinter mir den Weg und läuft auch gern etwas abseits der ausgetretenen Pfade umher. So kann ich mich ganz auf meinen Weg konzentrieren und habe nebenbei viel Freude daran, ihm beim Umhertollen zuzuschauen.

Sowohl beim Wandern als auch in der Selbstständigkeit ist es enorm wichtig, offen zu sein und nach dem Weg zu fragen (siehe auch weiter unten: Wenn du dich verläufst, genieße die Aussicht). Hilfe gibt es in verschiedenen Formen und so ist als Selbstständige für mich Teamwork ein essenzieller Teil meiner Arbeit geworden. Ich gestalte Projekte immer wieder gemeinsam mit anderen und tausche mich mit Kolleginnen aus, zum Beispiel über Facebook Gruppen.

Hier erzähle ich mehr über meine Vision zu Teamwork, speziell unter Coaches.

Werde eins mit dem Schlamm

Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem der Weg unangenehm wird. Es wird schlammig. Du musst dich entscheiden: Versuchst du, es deinem Hund gleichzutun und kraxelst die Seitenwände hoch, um dem Matsch zu entgehen? Kehrst du gar um?

Mein Rat: Geh hindurch. Werde eins mit dem Schlamm. Du hast dir ja nicht umsonst die richtigen Schuhe angezogen.

Der Schlamm ist für jeden etwas anderes. Vielleicht ist es die Akquise, die Positionierung oder die Organisation rund um einen Workshop. Für mich ist es die Buchhaltung. Ich blocke mir inzwischen feste Zeitfenster und gehe durch meinen persönlichen „Schlamm“. Umso schöner ist es, danach wieder an Dingen zu arbeiten, die mir Spaß bringen.

Richtiges Schuhwerk bedeutet, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Wo kannst du noch um Hilfe bitten oder Aufgaben abgeben?

Wenn du dich verläufst, genieße die Aussicht

Wenn du dich verlaufen hast, hilft es nicht, in Panik zu geraten. Vielmehr solltest du dich in Ruhe orientieren und deine Kräfte gezielt darauf verwenden, zum Weg zurückzukehren. Die Technik hilft uns hier sehr zuverlässig. Und wenn dein Handy seinen Geist aufgegeben hat, findest du sicher andere Wanderer, oder Schilder, die dich leiten. Du wirst überrascht sein, wie viele Hinweise sich dir zeigen, wenn du nur die Augen offen hältst.

Auch hilfreich: Einfach innehalten und genießen. Nimm dir die Zeit und schau zurück auf den Weg, der hinter dir liegt – und was du schon alles geschafft hast.

Der Weg ist das Ziel

Ehrlich gesagt habe ich mich immer gefragt, was der Unterschied zwischen einem Spaziergang und einer Wanderung ist. Die Geschwindigkeit, die Distanz, das Gelände? Vermutlich ist der Übergang fließend. Und auch die Unternehmensführung besteht im Großen und Ganzen aus freien Entscheidungen, speziell in der Selbstständigkeit. Wie bei allen großen Projekten sind die Zielsetzung und die Definition von Erfolg hochgradig individuell.

So freut sich eine Person, wenn sie eine gewisse Kilometeranzahl zurücklegt und auf der Wanderung eine bestimmte Höhenmetermarke erreicht – jemand anders sieht es als Erfolg, besonders schöne Fotos von der Landschaft im Gepäck zu haben. Die dritte Person freut sich über den Muskelkater am nächsten Morgen und die vierte will das gesamte Paket.

Kontaktiere mich, um deinen persönlichen Zielen einen entscheidenden Schritt näher zu kommen.

Kommentar verfassen